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Kreuzestheologie
Pfr.i.R. Winfrid Krause, Buggingen
Das Kreuz Christi und unser Mitgekreuzigtwerden sind dem Apostel zwei Aspekte eines einzigen Geschehens und gehören wie das Evangelium als Wort Gottes und unser Glaube als Nachfolge Jesu unauflöslich zusammen:
1) Jesus nahm den grausamen, bitteren und schändlichen, nach römischem Recht Sklaven und Fremden vorbehaltenen Tod am Kreuz auf sich, um - obwohl selbst als Gottes Mensch gewordener Sohn ohne Sünde (2.Kor 5,21) - stellvertretend unsere Schuld und Strafe zu tragen, durch das Opfer seines Lebens unsere Sünde zu sühnen, Gottes Gerechtigkeit genüge zu tun, Gottes Zorn in Gnade zu verwandeln und Gottes heilige Liebe zu offenbaren (Röm 3,24ff.; 5,8ff.; 8,3f.; 1.Kor 1,13.18ff.; 2,22ff.; 2.Kor 5,18ff.; 13,4; Gal 3,13f.; Phil 2,8). Wenn wir an das Kreuz seines Sohnes glauben, öffnet sich uns durch die Hölle des Karfreitags der Himmel des ewigen Lebens, in das Jesus Ostern auferstand und den Aposteln erschien (1.Kor 15,1ff.). Der Auferstandene bleibt der für uns Gekreuzigte (Mk 16,6; 1.Kor 2,2; Gal 3,1); von seinem Kreuz und seiner Auferweckung geht der Hl.Geist aus und springt auf uns über (Röm 5,5; 8,2ff.; 1.Kor 2,2ff.10ff.; 2.Kor 3,6ff.; Gal 3,1ff.; Joh 7,39; 16,7ff.; 20,22; 1.Joh 5,6ff.)
2) Der Glaube an den für uns gekreuzigten Messias Israels, der Sünde, Tod und Teufel kraft seiner lebendigen, göttlichen Liebe besiegt hat, schließt unsere Kreuzesnachfolge und unser Mitgekreuzigtwerden mit Christus ein, damit wir „seinem Tod gleichgestaltet" werden und „zur Auferstehung der Toten gelangen" (Phil 3,7ff.; Röm 6,3ff.; 8,10f.16f.; 2. Kor 1,5; 4,10f.; 5,14; Gal 2,19ff.; 5,11.24; 6,12ff.; 1.Thess 4,14; 5,9f.). Dieser mit der Taufe auf den Namen Jesu einsetzende, im Sterben sich vollendende Prozeß ist keine aktive, das Martyrium suchende, fromme Existenz, sondern die Weise, wie der dreieinige Gott durch Schicksal und Schande, Krankheit und Leiden - die alle Menschen in dieser gefallenen Welt treffen - unseren (auch christlichen) Hochmut und Stolz in Demut und Buße verwandelt und so die geistliche Erkenntnis Christi in der leiblichen Heiligung fortsetzt. Christen erkennen darin den damals wie heute lebendig wirkenden HERRN, der in unsere Leben eingreift, um uns durch diese Passionsgemeinschaft tiefer in die Liebe Gottes hineinzuführen, bis wir als letzte der „Stationen auf dem Weg zur Freiheit" (D.Bonhoffer) zur Herrlichkeit unangefochtener Gottesgemeinschaft durchdringen, die Jesus verkörperte (Joh 10,30) und in ihm ewig besteht.
All dies ist bereits in jenem geheimnisvollen Wort Jesu enthalten: „Wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten." (Mk 8,34 par; Mt 10,39 / Lk 17,33; Joh 12,25) Gehen wir in diesem Licht in die kommende Karwoche und feiern recht und voller Freude Ostern!
Hier die Kreuzestheologie mit Bild
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu
Jahreslosung für 2026 aus Offenbarung 21, 5
Reiner Vogels
Das Wort aus der Offenbarung des Johannes soll uns durch das kommende Jahr begleiten. Und es kann sehr guter Begleiter für das Jahr sein.
Drei Wörter aus der Jahreslosung möchte ich hervorheben, weil sie entscheidend sind. Einmal ist es das Wort „ich“. Dann ist es das Wort „alles“ und schließlich gilt es, das Wort „neu“ zu bedenken.
Dieses Wort ist die Basis von allem. Die Menschen haben zu allen Zeit gewußt, daß die Welt, in der sie leben, keine ideale, sondern eine unerlöste Welt ist. Sie haben daher zu allen Zeit den Versuch unternommen, die Welt besser und vielleicht sogar vollkommen zu machen. Im Zeitalter der europäischen Aufklärung haben die Philosophen auf die „Erziehung des Menschengeschlechts“ (Lessing) gesetzt. Durch Bildung und Erziehung wollten sie die Menschen besser machen und mit ihnen eine bessere Gesellschaft bauen. Sie haben auf die Zeit gehofft, in der, wie es in Schillers Ode an die Freude heißt, alle Menschen Brüder werden.
Spätestens in den Schützengräben von Verdun im 1. Weltkrieg und in den Gaskammern von Auschwitz ist dieser Glaube zusammengebrochen. Die Erfahrung hat gelehrt: Der Mensch kommt von sich selbst nicht los. Er ist und bleibt ein Sünder.
Letztlich ist auch der Versuch des Kommunismus, der darauf gesetzt hat, durch die Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft alles zum Guten zu wenden, an dieser Tatsache gescheitert.
Und auch der heutige Versuch des Transhumanismus, der durch eine Verbindung von Mensch und Computer die Ziele der Aufklärung doch noch erreichen will, ist aus demselben Grund zum Scheitern verurteilt.
Da bedeutet das Wort „ich“ in unserer Jahreslosung die einzige Hoffnung, die nicht täuscht. Schließlich steht „ich“ für Gott. Und Gott ist der einzige, der die Macht und den Willen hat, unsere unerlöste Welt und mit ihr uns unerlöste Menschen zu retten.
Alles heißt wirklich alles, ohne jede Ausnahme. Es geht im verheißenen Heilshandeln Gottes nicht nur um die Überwindung des Übels in der Welt. Es geht nicht nur um den Sieg über Krankheit und Tod, sondern es geht auch um uns Menschen selbst.
Das heißt: Auch wir müssen radikal erneuert werden. Um es mit den Worten des Propheten Hesekiel zu sagen: Das „steinerne Herz“ wird Gott aus uns entfernen und es durch ein „fleischernes Herz“ ersetzen müssen (Hes. 36, 26). Das ist notwendig, denn wenn wir Menschen so in der kommenden Welt blieben, wie wir heute sind, würden wir auch die kommende Welt zu einer üblen Welt machen.
Nun wird ja im Buch der Offenbarung in den Kapiteln vor unserer Jahreslosung von vielen schrecklichen und grausamen Geschehnissen berichtet. Da aber unsere Jahreslosung unter all dies Furchtbare eine Art Schlußstrich zieht, darf man darauf hoffen, daß das Wort „alles“ all das Furchtbare mit einschließt. Mit anderen Worten: Man darf auf die endgültige Erlösung aller hoffen. Welchen Sinn sollte sonst das „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ in unserem Glaubensbekenntnis haben?
Neu heißt: ganz anders. Die kommende Welt wird so total anders sein als die Welt, in der wir leben, daß wir so viel Spekulation und Phantasie aufwenden können, wie wir wollen, und uns dennoch ganz und gar nicht vorstellen können, wie sie denn wirklich sein wird. Diese Welt zu errichten ist Sache Gottes. Wir können lediglich darauf vertrauen, daß er das schon richtig machen wird.
Nehmen wir diese Verheißung Gottes mit in das Jahr 2026 und lassen sie zu einem täglichen Begleiter für uns werden! Dann werden wir Ruhe finden für unsere Seelen (Mt. 11, 29).
Weihnachten 2025
1. Timotheus 3, 16
Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im
Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in
der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Ein ungewöhnliches Weihnachtslied, dieser Vers aus dem 1. Timotheusbrief. Worte wie Blattgold, leuchtende Farben, überirdische Schönheit, weihnachtliches Glänzen. Kein Stallgeruch, keine Familie in der Notunterkunft, keine ärmlichen Hirten. Hinter der Kulisse von Stall und Krippe schimmert himmlisches Leuchten, die Engelschöre übertönen das Blöcken der Schafe.
Da verbirgt sich ein Geheimnis hinter der Geschichte, wie wir sie kennen, die „sich begab zu der Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien war“.
Dieses Liedes aus dem 1. Timotheusbrief meint: ganz Weihnachten ist ein großes Geheimnis. Drei Wortpaare umschreiben in Form eines Hymnus das Geheimnis Christi:
„… offenbart im Fleisch – gerechtfertigt im Geist.
Erschienen den Engeln – gepredigt den Heiden.
Geglaubt in der Welt – aufgenommen in die Herrlichkeit.“
Alle Bereiche der Welt und des Lebens sind in das Heilsgeschehen miteinbezogen. Himmel und Erde, Menschen und Engel. Die Geburt Christi im Stall, das Kind in der Krippe ist ein kosmisches Ereignis. Christus verbindet Himmel und Erde. Himmel und Erde werden in ihm eins. Ein Geheimnis beschrieben mit hymnischen, poetischen Worten.
In unserer erforschten und durchleuchteten Welt scheint es kaum noch Geheimnisse zu geben. Die Welt scheint beherrschbar zu sein. Der Mensch entreißt der Natur ein Geheimnis nach dem anderen. Und was der Mensch nicht schafft, schafft die KI. Alles lässt sich analysieren, quantifizieren, prognostizieren, organisieren. Alle Rätsel werden gelöst werden, wenn nicht heute, dann morgen. Dann wird die Welt ohne Geheimnisse sein, durchsichtig wie eine Glaskonstruktion.
Aber ist das wirklich so? Werden wirklich die letzten Fragen beantwortet werden?
Wohl kaum. Der Welt und dem Leben wohnt immer ein Geheimnis inne, das nicht lösbar ist, das Geheimnis des Warum, des Woher und Wohin, des Wozu. Das Geheimnis des Lebens und des Sterbens, das Geheimnis der Liebe und des Sinns. Dieses Geheimnis zu lösen oder auch nur über dieses Geheimnis nachzudenken, dazu ist Wissenschaft und noch so kluger Forscherdrang nicht in der Lage.
Es ist das Geheimnis Gottes mit dieser Welt, sein Sein und Wollen in und unter und hinter allem. Zu diesem Geheimnis findet nur der Glaube Zugang. Und auch der Glaube wird dieses Geheimnis nie lösen, sondern je tiefer er in es eindringt, desto größer wird es ihm. Es geht beim „Geheimnis des Glaubens“ nicht um ein Rätsel, das man lösen könnte. Dies Geheimnis verweigert sich dem Ansinnen einer Lösung. Es entzieht sich der rationalen Auslegung und analytischen Erklärungen. Es will nicht aufgelöst, sondern geachtet werden.
Das Geheimnis des Glaubens erschließt sich in Andacht und Anbetung. Es will nicht erklärt, sondern besungen, es will nicht mit dem Kopf begriffen, sondern im Herzen bewegt werden. Es ist immer größer, als jemand je von ihm singen und sagen kann.
„Groß ist das Geheimnis des Glaubens.“ Gott wird Mensch. Gott wird geboren als Kind. Gott kommt in unsere Welt und unser Leben. Dieser eine Vers aus dem Timotheusbrief ist die kürzeste Weihnachtsgeschichte der Bibel: „… offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ – Ein Weihnachtslied, das das Geheimnis der Menschwerdung Gottes besingt. Mehr können auch wir nicht tun.
A. Bollengraben
Wie auf die Kirchenkrise reagieren?
Acht Wegweiser in einer orientierungslosen Zeit
1. Die Zeiten einer Mehrheitskirche sind Vergangenheit. Gerade eine schrumpfende Kirche muss entschlossen Menschen zum Vertrauen auf den dreieinigen Gott einladen und missionarischer werden. Die Gemeindeglieder sind dazu aufzurufen und zuzurüsten: „Predigt das Evangelium aller Kreatur." (Mk 16,15, vgl. Barmen VI)2. An der Bibel festhalten! Die Hl.Schrift ist das entscheidende Zeugnis der Offenbarung Gottes und deshalb das Fundament der Kirche. „Die einzige Regel und Richtschnur, nach der alle Lehren und Lehrer eingeschätzt und beurteilt werden müssen, sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften Altes und Neues Testament." (Konkordienformel I,1, so auch Barmen I)
3. Im Sinne der altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnisse sowie der Barmer Theologischen Erklärung gilt es, die Mitte des Evangeliums herauszustellen. Unser Auftrag ist es, das Evangelium von der Gnade Gottes, „was Christum treibet" (Luther), zu verkündigen (Mt 28,19f.; Lk 24,46ff.). Dazu gehört auch die Predigt des Gesetzes, die Sünde aufdeckt und zur Umkehr ruft. Angesichts des endzeitlichen Gerichtes Gottes geht es um die Befreiung von Schuld und Tod durch den Glauben an Jesus Christus.
4. Gegenüber gesellschaftlichen, politischen, oft ideologischen Parolen sollten wir dem Evangelium folgen. Soziale, ökologische, nationale, europäische, globale Anliegen sind - so berechtigt sie sein mögen - keine Kernaufgaben der Kirche, sondern der Menschen und Christen in der Welt. Wir sollten nicht den wechselnden Moden des Zeitgeistes folgen (Klimadiskussion, Migrationsfrage, Gendern u.a.), sondern dem Heiligen Geist, der von Jesus zeugt und ihn verherrlicht (Joh 15,26; 16,14). Eine einseitig politisierende Kirche erreicht wenig und zerlegt sich selbst.
5. In ethischen Grundfragen hat die Kirche an die universalen Gebote Gottes und die biblischen Vorgaben zu erinnern. Sie sollte den Willen Gottes - entsprechend des 5-8.Gebots, also das unbedingte Lebensrecht jedes Menschen, die lebenslange Ehe von Mann und Frau, das sozialpflichtige Eigentum und die biblische Wahrheit verkündigen.
6. In der innerkirchlichen Auseinandersetzung um den rechten Weg wollen wir einerseits klare, sachliche, biblische Positionen vertreten, andererseits Liebe und Toleranz gegenüber anderen Meinungen üben. Wir sollten Andersdenkenden nicht pauschal das Christsein absprechen, solange nicht die Gottessohnschaft und Auferstehung Jesu, die göttliche Person des Heiligen Geistes oder die Dreieinigkeit Gottes geleugnet wird. „Die Liebe erträgt alles, der Glaube nichts." (Luther; vgl. Mk 3,28f.; 1.Kor 13,7; Gal 1,9; 1.Joh 4,1ff.)
7. In den anhaltenden Spardiskussionen sollte entsprechend dasjenige (Gemeindepfarrstellen, Kirchengebäude, Kirchmusik, Diakonie, Kindergärten etc.) Priorität haben und bewahrt werden, was der Kommunikation des Evangeliums dient. Existentiell wichtig ist für die Kirche und Gemeinden eine zur biblischen Verkündigung befähigende Ausbildung der Pfarrer im Theologiestudium. Darum soll die Kirchliche Hochschule Wuppertal erhalten bleiben, wenn sie sich zu einem solchen Studienangebot weiterentwickelt.
8. Im interreligiösen Dialog gilt für die Kirche: nicht die kleinste gemeinsame Basis suchen, sondern die ganze Wahrheit des Evangeliums (Gal 2,5.14) in Liebe (1.Kor 13,6; 16,13f.) darlegen. Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Joh 14,6)
Wuppertal, den 1.11.2025

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