Predigtmeditationen für den 18.10.26 und 08.11.26

Ralf Jung, Pfarrer für Vertretungsaufgaben im KK Paderborn

Predigtmeditation für den 20. Sonntag nach Trinitatis,18.10.2026

Predigttext: Markus 2, 23-28

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.

24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren:

26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?

27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

 

Mit dem Sabbat- oder Feiertagsgebot wird der Wochenspruch: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott, Mi 6,8, auf eine besondere Weise bereits konkretisiert.

Du sollst den Feiertag heiligen! Vorsicht Stoppschild! Halt. Vorfahrt gewähren. Vollständiger Stillstand. Du sollst den Feiertag heiligen! Arbeit stoppen, Ruhe und Stille in Gottes Sinne. Hinter dem, was hier wie eine Straßenverkehrsordnung klingt, verbirgt sich eine einmalige Chance. Mit dem Feiertagsgebot will uns Jesus Christus einen heiligen Rhythmus für unser Leben geben. Wer diesem Rhythmus nachkommt, der entflieht nicht etwa dem modernen Leben, sondern kann sich seinen Herausforderungen konzentriert und sinnvoll stellen. Aus der Ruhe vor Gott kommt er heraus und wählt an seinem Wort orientiert bewußt seine Wege. Durch die Heiligung des  Sonntags kann der Mensch kraft- und planvoll, gelassenen, weil mit Gott, jeweils in die neue Woche und ihren Alltag starten. Natürlich spornt Gott uns an, unser ganzes Leben geheiligt, in seinem Namen zu gestalten. Also will er uns dazu befähigen, dass unsere Lebensgestalt von seiner Liebe durchflutet, an seinem Wort orientiert und auf ihn zu ausgerichtet ist. Dabei hilft es, in seinem Namen den Feiertag vom Alltag klar zu unterscheiden. Insbesondere am Feiertag, sprich Sonntag, will er durch sein Wort in Evangelium und Predigt Geist und Herz vom Bösen befreien, verwandeln lassen und auf den Kurs der Ewigkeit führen. Der Sabbat, Feiertag, ist um des Menschen willen

gemacht (27a).

Durch diesen einen Tag der Woche ohne Arbeit erhalten wir eine immer wiederkehrende Pause, eine Zeit zur Ruhe zu kommen. In der Stille vor Gott sind wir eingeladen, neu mit ihm und mit unseren Mitmenschen in Verbindung zu treten und zu uns selbst zu kommen. An diesem Tag dürfen wir bremsen, anhalten und vor Gott im Gottesdienst wirklich da sein, ja gegenwärtig sein. Der Feiertag macht es möglich, mit den Gedanken und Gefühlen nicht zerstreut in der Vergangenheit oder bereits in der Zukunft zu sein, sondern gesammelt in der Gegenwart da zu sein. An ihm bekommen wir die Chance, selber ruhig aufzutanken, in der Schöpfungsruhe, die Gott sich gönnte, nachdem er die Welt und den Menschen geschaffen hatte. In einer Welt, in der immerzu Bildschirme flackern, Lärm und Musik pausenlos auf uns einhämmern, ist der Feiertag mit Ruhe und mit Gottesdienst das radikale Gegenteil zum Alltag. Am Feiertag muss ich nicht dauernd in Bewegung sein, sondern kann dem permanenten Schaffen und Raffen entfliehen. Indem ich den Feiertag heilige, widersetze ich mich der ruhelosen Hektik des Alltags, in der ich gefährlich getrieben und zerrieben werden kann. Wie viele fühlen sich, als seien sie von einem von Sturm gepeitschtem Feuer der Hektik getrieben. Sie empfinden sich wie ausgebrannt, leer, krank. Welch ein einmaliges Geschenk ist das Gebot ist, regelmäßig den Feiertag zu heiligen. Hier nimmt Gott der Hektik Feuer und Sturm. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht (27a).

In dem einen Tag ohne verzehrende Arbeit läßt Gott uns zur Ruhe und in der Feier des Gottesdienstes zur Stille kommen. Im Gottesdienst bin ich sämtlichem Leistungsdruck

entzogen. Klang und Inhalt der Musik erheben meine Stimmung, lassen mich aufatmen. Das lebendige Wort Gottes erfüllt mich mit Halt und Stärke, Trost und Zuversicht. In der Gegenwart Gottes kann ich zu meinem inneren Gleichgewicht zurückfinden. In seinem Wort gewinne ich einen verläßlichen Maßstab und klare Orientierung für mein Handeln. Gottes Wort nimmt mich mit in ein Leben mit Sinn und Ziel. Dadurch kann ich mich dagegen wehren, einfach nur getrieben zu sein. Der Sabbat oder Sonntag, ist um des Menschen willen gemacht.

Die Ruhe des Feiertags schottet mich ab vor dem Stimmengewirr, das um mich herum lärmt, das mich verwirrt und durcheinander bringt. So kann ich besonders am Feiertag, die lebendige Stimme Gottes wahrnehmen. Durch sein Wort wird meine Seele genährt. Indem ich sein Wort neugierig und aufmerksam verzehre, nehme ich schöpferische, kreative Lebendigkeit gepaart mit göttlicher Liebe in mich auf. Beides, reichlich beschenkt und geliebt zu sein, wird mich mit Glück, Elan und Freude aufbauen. Beides wird leuchtend in meinen Alltag ausstrahlen.

Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht (27a).

Ich brauche keine Angst davor zu haben, dass ich in der Zeit etwas verpasse, wo ich die Hände vor Gott falte und mich der Stimme seines Wortes aufmerksam hinhalte. Mit ruhigem Gewissen kann ich mir die Stille in Gottes  Gegenwart gönnen; denn für alles, um das ich mich sorge, gilt gerade auch hier Jesu Wort: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen, Mt 6,33. Den Feiertag heiligen, bedeutet also, ihn so vom Alltag zu unterscheiden, dass ich mich hier mehr und besonders an seinem Wort orientiere. Ich begebe mich in von Arbeit freie Ruhe und umarme im Gottesdienst Stille, Nachdenken und Gottes Anbetung. Dank seiner gelange ich hier zu Klarheit inmitten des sonstigen Chaos und zum Frieden inmitten einer laut tosenden Welt. Meine Angst weicht, weil Gott sich neben mich, an meine Seite stellt. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht (27a).

Am Sabbat oder Sonntag ist die Gelegenheit, der großen Taten Gottes für mein Leben zu gedenken. Indem ich mich ihrer so vergewissere, vergesse ich das Wichtigste nicht, das in Wahrheit letztlich zählt. So geht dann auch im Alltag nicht verloren, dass die Verbindung zu Gott entscheidend für mein ganzes Leben ist, dass allein die aus Gnade geschenkte Gerechtigkeit vor Gott mein Leben rettet. Das Volk Israel ermahnt Gott, den Feiertag zu heiligen, um sich immer wieder seiner Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens zu erinnern. Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst, Dtn 5,15. Der Sabbat sollte die Israeliten daran erinnern, wie ihr Gott sie wunderbar befreit hatte, dass Gott ihr Retter aus der Not ist. An jedem Sonntag feiern wir ein kleines Osterfest. An ihm erinnern wir uns, dass Gott uns durch die Kreuzigung und Auferstehung seines Sohnes von der Sklaverei der Sünde und dem Gefängnis des Todes befreit hat. Am Feiertag vergewissern wir uns, dass Gott aus unverdienter Gnade alles für uns in Jesus Christus getan hat, um uns zu retten und zu erlösen. In der Gewißheit, dass uns das ewige Leben im Glauben an Jesus Christus geschenkt ist, können wir uns getrost, gelassen und voller Freude dem Leben stellen. Wir haben die Hände frei, Gottes Liebe an andere weiterzureichen, unseren Glauben anderen zu bekennen, wozu wir auch gerufen sind. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht (27a) – nicht nur für uns, sondern auch für andere.

Aufgrund meiner von Gott abgewandten Natur bin ich nicht in der Lage, seine Gebote einzuhalten und mein Heil selber zu erarbeiten. Sie zeigen mir aber auf, wie sehr ich auf die Erlösung durch Christi Tod und Auferstehung angewiesen bin. Die Gebote wollen mein

Leben schützen und fördern sein Gelingen. Sie einzuhalten, strömt Gottes Liebe aus. So ist der Menschensohn auch Herr über den Sabbat (28).

Jesus Christus ist nicht in die Welt gekommen, die Gebote aufzuheben, sondern sie zu erfüllen (vgl. Mt 5,17). Für uns hat er sie ins rechte Licht gerückt. Wir sind eingeladen, aus seinem Mund das Sabbat- oder Feiertagsgebot vertrauensvoll anzunehmen. Den Feiertag zu heiligen, ist die großartige Chance, eine tiefere Verbindung zu dem zu gewinnen, das wirklich zählt.

Der Feiertag am ersten Tag der Woche ist ein wunderbares Geschenk unseres Gottes. Dieser heilige Rhythmus der Woche und des Lebens, Gottes Entwurf zur Ruhe und Erneuerung, führt uns näher zu uns selbst, zu anderen und zu Gott. Besonders in der Stille des Gottesdienstes wird die Verbindung zu Gott fester geknüpft, und wir werden durch sein lebendiges Wort für den Alltag gestärkt und ermutigt. Am Feiertag erfahren wir, dass nicht ewige Bewegung, sondern die Ruhe und die Stille vor Gott letztlich die reichsten Momente des Lebens sind. Darum ist es sinnvoll, den Sonntag als Lebensader zurückzuerobern!

Lieder:

– Lied: 577,1-3

– Lied: 591

– Lied: 198,1+2

– Lied: 162,1-4

– Lied: 406,1-3

– Lied: 604,1.3.4

Predigtmeditation für den Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr       8.11.2026

Pastor Alfred Sinn, Süderhastedt in Dithmarschen, Nordkirche

Predigttext: 1. Thessalonicher 5, 1 – 11

1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben;

2 denn ihr selbst wißt genau, daß der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.

3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen.

4 Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß der Tag wie ein Dieb über euch komme.

5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.

6 So laßt uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein.

7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken.

8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.

9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus,

10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.

11 Darum ermahnt euch untereinander, und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Tag und Stunde wissen wollen – das begehrten schon die Jünger, als Jesus zu ihnen über seine Wiederkunft sprach.

Diesem Tag gehen unruhige Zeiten voraus: Katastrophen, Nöte, Kriegsvorbereitung und Kriege. Verständlich, wenn man sich darauf mit entsprechenden Maßnahmen einstellen möchte.

In solch unruhigen und bewegten Zeiten sind Menschen und Völker wie im Rausch.

Im Rauschzustand wird die Realität verzerrt wahrgenommen und gedeutet. Zum einen Euphorie, zum andern, Katerstimmung.

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Zur Verdeutlichung verweist der Apostel auf den Weinkonsum, bzw. dessen mißbräuchlicher Genuß.  Im Zustand der Anheiterung ist der Mensch glücklich, er möchte die ganze Welt umarmen. Das Rauschmittel gaukelt eine Welt vor, die es so nicht gibt. Die Ernüchterung kommt spätestens, wenn die Wirkung des Mittels nachläßt.

Dem Rausch folgt Übelkeit, Scham, gegebenenfalls Reue und der Vorsatz, es dazu nicht wieder kommen zu lassen.

Der Apostel mahnt zur Nüchternheit und Wachsamkeit in Bezug auf die Beurteilung des eigenen Lebens und der Welt – und das im Hinblick auf die Wiederkunft des Herrn. Der ist gesamtbiblisch gleichzusetzen mit dem großen Tag Jahwes, von dem bereits die Propheten geschrieben haben. An dem Tag wird es nicht lustig sein. Es wird sich zeigen, dass es schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Hebr. 10,31). Für andere wiederum wird der Tag ein fröhlicher sein, denn sie werden vereinigt werden mit dem, an den sie geglaubt haben.

Mit dem Aufruf „Laßt uns wachen und nüchtern sein“ erinnert der Apostel an die Mahnung Jesu an seine Jünger: „Wachet (und betet)“. Auch mit dem Bild vom Dieb in der Nacht erinnert er an die Ansage Jesu (Mt. 24).

Um nicht böse überrascht zu werden, bedarf es der entsprechenden Haltung, Vorbereitung und Zurüstung. Hierbei bedient sich der Apostel der militärischen Ausrüstung: Panzer des Glaubens, Panzer der Liebe, Helm der Hoffnung.

In Epheser 6 präzisiert er die geistliche Waffenrüstung: Wahrheit, Gerechtigkeit, Evangelium des Friedens, Glauben, Heil, Geist, Wort Gottes, Gebet. Er verbindet sie mit Waffengattungen, um deutlich zu machen, dass das Sein als Christ in dieser Welt auch Kampf bedeutet.

Das Bild vom Dieb in der Nacht steht für das Überraschungsmoment. Wie bereits erwähnt, auch Jesus hat dieses Bild bemüht.

Und auch Petrus erinnert sich an das, was er bei Jesus gelernt hat: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen.“ (2.Petr. 3,10)

Während das Bild vom Dieb das Überraschungsmoment hervorhebt, läßt das nächste den Schluß zu, daß mit dem Herannahen des Tages durchaus gerechnet werden kann. Es ist der Vergleich mit der schwangeren Frau.

Wenn eine Frau schwanger ist, kann das nicht verborgen bleiben. Der Zustand ist offensichtlich. Es ist bekannt, wie die Schwangerschaft endet. Am Ende steht zwangsläufig die Geburt. Die Schwangerschaft ist darauf geradezu angelegt. Hier sind die Wehe das Überraschungsmoment. Sie kommen plötzlich, unverhofft, aber nicht unerwartet.

Die Endzeit dieser Welt wird sein wie der Zustand einer Schwangeren. Die Welt wird immer reifer für das eine Ereignis. Aber statt nüchtern zu bleiben, werden die Menschen der Endzeit sein wie die Trunkenen, vernebelt, betäubt von allerlei Rauschmittel.

Man ist geneigt, unsere Zeit als solche zu deuten. Da werden viele Nebelkerzen geworfen, die Großen und Mächtigen verführen die Völker, immer neu wird Angst erzeugt.

Die Menschen kommen gar nicht mehr zur Besinnung.

Während so getan wird, als würde man sich für den Frieden einsetzen, wird im Hintergrund alles getan, daß es nicht dazu kommt. Politiker, Gesetzgeber, Wirtschaftler und Wissenschaftler lösen ihr Versprechen für Fortschritt und mehr Frieden nicht ein.

Friede, Friede, keine Gefahr! Doch das Gegenteil wird plötzlich überraschen, nämlich Verderben. Die Lage ist offensichtlich und doch wird es eruptiv geschehen – wie die Wehen bei einer schwangeren Frau. 

Wehen bedeuten, dass die Geburt eingeleitet wird. Dieses Bild zeigt an, daß trotz des Verderbens am Ende neues Leben steht. Die neue Welt kommt mit der Wiederkunft des Herrn zum Durchbruch. Aber eben über Wehen.

Darauf sollen die Kinder des Lichts ihr Augenmerk richten. Euch, die ihr Kinder des Lichts seid, werden die Wehen nicht überraschen. Denn ihr seid angetan „mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.“

Wie verkehrt es doch in der Welt zugeht! Christen wird Schwärmerei vorgeworfen, Unnüchternheit, Realitätsferne. Wir würden gegen die Vernunft und alle Wissenschaft eine Wirklichkeit vertreten, die es gar nicht gibt. Wie kann man bloß so weltfremd sein?

Doch am Ende wird sich herausstellen, wer die wahren Toren sind. Es wird zu einem großen, nüchternen Erwachen kommen.

Am Ende des Absatzes verweist der Apostel auf Jesus Christus. Durch ihn sind wir dazu bestimmt, das Heil zu erlangen. Dieser Jesus ist für uns gestorben. Der Glaube an ihn entreißt dem Zorn Gottes und erfüllt mit dem wahren Frieden. Der Christ richtet seinen Blick auf Golgatha und weiß: Dort hat das Gericht an meiner Stelle den Sohn Gottes getroffen! Dieses Wort der Wahrheit entreißt dem Zustand der Trunkenheit.

Der Zustand des Sünders ähnelt dem eines Trunkenen. Der Sünder ist vernebelt und verführt. Ist es nicht so, dass der Sünder nie bei sich selbst sein kann. Er möchte ganz er selbst sein – und schafft es nicht. Sein Leben lang muß er schauspielern. Er muß tun, als werde er niemals sterben, und doch weiß er genau, daß es so kommt. Er muß tun, als habe er niemals gesündigt, obwohl er in seinem Innersten weiß, daß er es sehr wohl getan hat. Er muß tun, als kümmere er sich weder um Gott noch um das Gericht, noch um das zukünftige Leben, und doch ist sein Herz über seine prekäre Situation tief beunruhigt. Er muß eine Fassade der Unbekümmertheit aufrechterhalten.

Doch wenn er sich ans Kreuz Christi begibt, dann tritt er heraus aus der Gottesferne, er gibt den Zustand der Trunkenheit auf. Dann sieht er die Welt und sich selbst mit anderen Augen.

Aus der Finsternis ins Licht. Der Tag des Herrn wird dann offenlegen und bestätigen, was er in seinen Erdentagen geglaubt und gelebt hat.

Auf diese Weise verhelfen Glaube und Hoffnung zur Wachsamkeit und Nüchternheit.

Auch jener Tag und jene Stunde müssen nüchtern erwartet werden. Nicht Angst soll bestimmend sein, sondern die freudige Erwartung. Die Wehen führen in die neue Welt. Dort wird es eine schöne Feier geben – und endlich Frieden.

Dieser Ausblick diene zur gegenseitigen Ermahnung, Tröstung und Erbauung.

Liedvorschläge:

    1 – Macht hoch die Tür (Str. 5 Komm, o mein Heiland)

    5 – Gottes Sohn ist kommen

    6 – Ihr lieben Christen freut euch nun

  16 – Die Nacht ist vorgedrungen

148 – Herzlich tut mich erfreuen

149 – Es ist gewißlich an der Zeit

151 – Ermuntert euch, ihr Frommen

152 – Wir warten dein, o Gottes Sohn

157 – Laß mich dein sein und bleiben

249 – Verzage nicht, du Häuflein klein

295 – Wohl denen, die da wandeln

387 – Mache dich, mein Geist bereit

398 – In dir ist Freude

450 – Morgenglanz der Ewigkeit.

2 Kommentare

  1. Bruder Jung sei herzlich gedankt für seine Meditation zu Mk 2, 23-28. Es ist die erste, die auf der neuen Webseite des Luth. Konvents mit neuer Predigtwerkstatt steht. Nun können die Nutzer der Predigtwerkstatt auch wieder Kommentare zu den Predigtmeditationen oder zu den aktuellen Beiträgen auf der Webseite schreiben. Das Passwort für das Forum gibt es bei mir: Mail bitte an ps-37-5@gmx.de und ich sende das Passwort umgehend zu.

    • Ich bin mir nicht sicher, ob der Name des Kommentators erscheint. Darum zur Klarstellung: Der erste Kommentar mit Anleitung Passwort ist von Thomas Berke, Leiter der Luth. Predigtwerkstatt.

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