Herbsttreffen des Lutherischen Konventes im Rheinland
am 1. November in Wuppertal
Am 1. November 2020 traf sich der Lutherische Konvent mit seinen Gästen zur jährlichen großen Tagung in der Alten Lutherischen Kirche am Kolk in Wuppertal-Elberfeld.
Die Tagung begann mit einem lutherischen Gottesdienst um 11.15 Uhr. Die Predigt hielt Prädikant Michael Sonntag und die Liturgie hielt Pfarrer Andreas Bollengraben. Nach einer Einführung in das nachfolgende Thema durch den Vorsitzenden des Lutherischen Konventes, Pfarrer Winfrid Krause, erfolgte eine Mittagspause.
Um 14.00 Uhr hielt Frau Professorin Dr. Athina Lexutt (Gießen) ihren Vortrag über Spannende Freiheit. 500 Jahre sind schon vergangen, seitdem Martin Luther sein Traktat Von der Freiheit eines Christenmenschen geschrieben hat. In der Folgezeit ist vielfach versucht worden, diesen Freiheitsbegriff Luthers rein innerweltlich und politisch zu verwenden. Frau Lexutt aber wollte die Schrift Luthers konsequent im Sinne des lutherischen Freiheitsverständnisses in den Geschehnissen des Jahres 1520 und dem Kontext heraus verstehen und für heute relevant machen. Martin Luther war kein Freiheitskämpfer für die heutigen Bürger- und Menschenrechte. Aber ihm ging es um die Wahrheit des christlichen Glaubens. Mit dem Bann bedroht und von verschiedenen katholischen Theologen und Fakultäten als Ketzer gebrandmarkt, schrieb er im Jahre 1520 sein Freiheitstraktat und widmete es ausgerechnet seinem Gegner Papst Leo. In diversen Schriften aus dem Jahr 1520 vor unserem Traktat zeigte Luther auf, daß jeder getaufte Christ selbst fähig ist, die höchste Autorität, nämlich die Heilige Schrift, zu lesen und zu interpretieren. Er hat dazu die Freiheit von Gott geschenkt bekommen. Die Schrift steht über der Autorität des kirchlichen Amtes. Der Christenmensch ist nicht einfach nur ein Freier oder ein Sklave. Er ist immer ein Beziehungsmensch: Ein Mensch, der in Spannungen lebt. Frau Professor Lexutt spielte mit dem Begriff Spannung und spannend in ihren Ausführungen und zeigte so auf, daß das Verständnis des Menschen, wie es Luther hatte, auch in unserer modernen Welt nicht an Faszination verloren hat. Denn auch wir sind ja Beziehungswesen, die in Familie, Arbeit und anderen Beziehungen leben. Und das noch viel mehr als in den Zeiten Luthers, in der es noch keine postindustrielle Massengesellschaft gab. Nach Luther lebt der Christenmensch in der Vertikalen in der Beziehung zu Gott. Hier ist er frei, zu glauben und zu vertrauen und das Heilsgeschehen am Kreuz für sich anzunehmen. Aber in der Horizontalen ist der Mensch gebunden an seinen Mitmenschen. In der Horizontalen ist er zum Dienen am Nächsten verpflichtet. Das gute Werk am Nächsten verdient zwar nicht den Himmel, aber es ist der Ausfluß des Glaubens an den Kreuzestod Jesu Christi und der Befreiung des Sünders von Sünde, Tod und Teufel. Der Christenmensch ist fortan in der Freiheit, seinem Gewissen nach zu leben, das durch das Gesetz und das Evangelium geprägt wird.
Die Suche nach der Wahrheit in einer durch Fake-News und Panikmache durcheinander gebrachten Welt bleibt auch heute so wichtig, wie es damals bei Luther gewesen ist. Wir müssen dabei auf unser Gewissen hören, das durch Gottes Wort geschärft wird. Dabei bleibt zu beachten, daß auch hier eine Spannung zwischen dem Bekenntnis der persönlichen Wahrheit und der Toleranz des anderen und seiner Meinung zu beachten ist.
Nach dem Vortrag und einer lebhaften Aussprache über diesen schlossen sich dann die Konventsangelegenheiten an:
Der Vorstand des Lutherischen Konventes wurde einstimmig wiedergewählt. Pfarrer Winfrid Krause, Rohrbach, wurde als Vorsitzender bestätigt. Neu in den Vorstand wurde die Militärdekanin Frau Petra Reitz (Köln) einstimmig hinzugewählt. Da die Kassengeschäfte wegen der Corona-Krise noch nicht endgültig abgeschlossen werden konnten, wurde die Kassenprüfung auf den Frühjahrskonvent in Bonn verschoben.