[Startseite]


Das schwierige Kirchenfest und die höhere Mathematik

Pfingsten gehört zwar neben Weihnachten und Ostern zu den drei christlichen Hauptfesten und wird deshalb an zwei Feiertagen hintereinander begangen, bleibt aber mit seiner Bedeutung und seinem biblischen Ursprung für viele Menschen schwer nachzuvollziehen.

Was bedeutet der Geist Gottes, um den es zu Pfingsten geht, der „Heilige Geist“? Wirklich sichtbar ist er nicht – im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte ist bildhaft die Rede von einem gewaltigen Brausen und von Zungen, zerteilt, wie von Feuer (Vers 2-3), die den Jüngern Jesu erschienen.

Bei der Taufe Jesu kommt der Geist Gottes „wie eine Taube“ auf Jesus herab (Markus 1, 10). Deshalb wurde die Taube in der Kirche zum Symbol, zum Zeichen für den Heiligen Geist. Aber grundsätzlich gilt das, was Jesus dem Pharisäer Nikodemus sagt: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Johannes 3, 8).

Der Heilige Geist ist nicht fassbar und nicht sichtbar, aber seine Wirkungen werden zu Pfingsten deutlich: Die Jünger Jesu gehen mitten hinein in die mit Pilgern aus aller Welt überfüllte Stadt Jerusalem und predigen „in anderen Sprachen“ das Evangelium von Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, „wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apostelg. 2, 4). Solch eine Wirkung des Heiligen Geistes brauchen die Christen und die Kirchen heute genauso wie vor 2000 Jahren.

Das erste Pfingsten in Jerusalem nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt wurde zum „Geburtstag“ der christlichen Kirche, und das ist immerhin gut verständlich.

Aber jeder Versuch, den Heiligen Geist zu analysieren oder gar über ihn verfügen zu wollen, damit „Zeichen und Wunder“ geschehen, bleibt zum Scheitern verurteilt.

Entsprechendes gilt auch für den Sonntag nach Pfingsten mit dem lateinischen Namen „Trinitatis“ = „Dreieinigkeit“.

Dass der eine Gott uns in drei Personen begegnet als Vater, Sohn und Heiliger Geist und dennoch der eine und einzige Gott bleibt, ist eine höhere Mathematik:

1 = 3 = 1.

Nach menschlicher Logik und Vernunft ist das nicht nachzuvollziehen. Der Glaube an den Gott, der sich uns in den drei göttlichen Personen offenbart, ist „höher als alle Vernunft“ (Philipper 4, 7). Wir können nur mit Bildern und Vergleichen versuchen, uns diesem Geheimnis zu nähern.

Das Wasser in seiner chemischen Zusammensetzung kann dabei eine Hilfe sein: Das Wasser-Molekül besteht immer aus H2O, d.h. es besteht aus zwei Atomen Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff. Aber die Erscheinungsform des Wassers kann ganz unterschiedlich sein: als Flüssigkeit, als festes gefrorenes Eis oder als gasförmiger Wasserdampf. Immer bleibt es aber Wasser, bestehend aus H2O. Die Chemie des Wassers bleibt dieselbe, aber es begegnet uns in den drei Erscheinungsformen „flüssig, fest und gasförmig“.

So begegnet uns Gott in seiner trinitarischen Vielfalt in den drei Personen als Vater, Sohn und Heiliger Geist und bleibt doch immer der eine und einzige Herr und Gott. „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ (Römer 11, 33).

Pfarrer Wolfgang Sickinger, Leichlingen



[Seitenanfang] [Startseite]