Weihnachten
Pfarrer i.R. Winfrid Krause
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)
Der Evangelist Johannes, m.E. der „Lieblingsjünger" und Zebedaide, ein Fischer vom See Genezareth und einer der 12, ja der engsten 3 Jünger Jesu, legt in seiner Schrift höchsten Wert darauf, daß Jesus nicht nur ein Prophet oder sonstiger religiöser Mensch wie viele ist, sondern der „eingeborene Sohn" Gottes, der vor aller Welt und Zeit ewig beim Vater war und in der Mitte der Zeit Mensch wurde. Er schildert ihn wie die anderen Evangelisten äußerlich als einen Menschen wie wir, aber zugleich durch seine geheimnisvolle Geburt und Herkunft aus Gott und der Jungfrau Maria und ausgewiesen durch seine Worte und Wunder, seine Kreuzesliebe und seine Auferweckung von den Toten als einzigartige Gestalt der ganzen Menschheitsgeschichte - die singuläre und exklusive Heilsoffenbarung Gottes für alle Menschen (Joh 14,6), an der sich in Glaube oder Unglaube das Schicksal von jeder und jedem, Gericht und Gnade, Tod und Leben entscheidet.
Zwar wissen wir nicht, ob Johannes die anderen Evangelien kannte, aber er setzt mit seiner hohen Christologie einen unüberhörbaren Akzent, wer Jesus eigentlich war und wie wir Christen ihn im Glauben erkennen sollen - obwohl er auch für Markus, Matthäus und Lukas Gottes nicht nur nominaler, sondern realer, vom „Himmel" gekommener Sohn ist, „eines Wesens mit dem Vater", wie es das nizänische Glaubensbekenntnis formuliert. Als hätte er geahnt, daß in der Kirchengeschichte immer wieder falsche Propheten wie Arius auftreten würden, besonders in der deutschen evangelischen, „aufgeklärten" Theologie nach Reimarus und die Schleiermacher, deren Vernunft sich an der singulären Gottessohnschaft Jesu stößt und stört und die diesen Titel deshalb als bloßes Wort, Entwicklung oder Adoption Jesu irgendwie erklären wollen. Damit aber wird die Absolutheit des Christentums, die das Neue Testament doch wie ein großer Chor behauptet, in die Relativität der Religionsgeschichte eingeebnet. Es ist dann egal, ob wir an Mose, Buddha, Jesus, Mohammed oder Bhagwan glauben.
Ist aber das Evangelium wahr, ist Jesus wirklich der einzigartige Sohn Gottes, in dem Gott selbst Mensch wurde und Gott und Mensch - unbegreiflich und paradox - in einer Person ist und lebt, dann ist seine Menschwerdung mit Kreuz und Auferstehung ein singuläres und ewig gültiges Faktum und Ereignis, die Offenbarung der überwältigenden Menschenliebe Gottes. Dann hat sich der eine, verborgene, allmächtige, heilige, ewige Gott und Schöpfer hier uns Menschen zugewandt, unser Menschsein mit allen Freuden und Leiden, seiner Güte und seinen Sünden geteilt und angenommen, um uns seine Gnade und Liebe zu zeigen. Dann dürfen wir mit gewissem Anhalt glauben, daß wir mit ihm versöhnt sind und gerettet werden in sein ewiges Leben. Dann ist Gott der dreieinige HERR, Vater, Sohn und Hl.Geist, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Je älter ich werde, um so geheimnisvoller wird mir diese Erscheinung Gottes in Jesus Christus, die ich doch seit meiner Kindheit kenne; um so größer wird mein Staunen, meine Anbetung und meine Freude.
Darum geht es an Weihnachten und nicht nur um Plätzchen und Glühwein, Tannengrün und Kerzenschein, Hirten und Könige und was sonst gerade in unserem Land an Bräuchen und Dekoration mit entsprechend rührseliger, aber diffuser Stimmung zum „Fest der Liebe" dazugehört.
Es ist aber bloß äußerliches Beiwerk, die sich ohne den eigentlichen Inhalt als eine hohle Christbaumkugel oder eine vegane Weihnachtsgans erweisen. In der letzten Zeit „wird die Liebe in vielen erkalten" (Mt 24,12) und der schnöde „Mammon" (Mt 6,24) und geschäftige Konsum der letzte „Gott" werde. Ja - von der törichten Vernunft unbemerkt - werden in den rationalen Leerraum andere Götzen einströmen, die die Menschen gefangennehmen, verblenden und ihre Suche nach dem Glück, der Wahrheit, der Liebe und Gott in tödliche, teuflische Süchte verwandeln, wovon die zunehmenden Opfer von Abtreibung, Rauschgift, Sterbehilfe, Terror und Krieg leider zeugen. Doch das Kind in der Krippe, das den Armen, Kranken, Huren und Sündern das Reich Gottes verhieß und sogar Tote auferweckte, ist ihnen und uns weit voraus, lebt und regiert in Ewigkeit.
Winfrid Krause
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