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Allah in Afghanistan?

„Der Krieg ist des HERRN“ (1.Sam 17,47)

Mit dem Fall von Kabul am 15.8.21 ist der 20-jährige Krieg des Westens gegen den von Afghanistan ausgehenden islamistischen Terror mit einer desaströsen Niederlage zu Ende gegangen. Die NATO war nach dem Angriff Al-Quaidas auf die Zwillingstürme in New York den Amerikanern in das abgelegene Land gefolgt – ein Milliarden schwerer Militäreinsatz, bei dem 59 Bundeswehrsoldaten ihr Leben ließen. Doch „Deutschland“ wurde nie „am Hindukusch verteidigt“ (so der damalige Verteidigungsminister Peter Struck). Nachdem der angekündigte Rückzug der U.S. Army im Frühjahr begann, kapitulierte die afghanische Regierung mit ihren Truppen schnell und die Taliban fuhren auf Motorrädern mit Turban und Kalaschnikow in die Hauptstadt ein. Nur der Flughafen konnte noch einige Tage zur Evakuierung gehalten werden, bis ein Selbstmordanschlag im Gedränge vor seinen Toren die Luftbrücke praktisch beendete.

Viele westliche Politiker hatten jahrelang die Illusion verbreitet, es sei möglich, diesen Krieg zu gewinnen und einen halbwegs zivilisierten Staat aufzubauen. Aber unsere überlegene Waffentechnik und humanistischen Werte stießen in dem bergigen Land mit seiner traditionell-islamischen Stammeskultur auf Granit. Je länger der Krieg dauerte, desto sicherer wurde der Sieg der in den ländlichen Regionen ansässigen Taliban über den kriegsmüden Westen. Die städtische Minderheit der Afghanen, die den Versprechen von Demokratie, Wohlstand, Freiheit, Fortschritt und Frauenrechten geglaubt hatte, sah sich im Stich gelassen. Die von korrupten Politikern kommandierten Soldaten standen zuletzt vor der Frage, ob sie den seit dem sowjetischen Einmarsch nun über 40-jährigen Krieg fortsetzen oder der Friedenssehnsucht folgen, die Waffen wegwerfen und in ihre Familien zurückkehren sollten. Sie wählten das Letztere und retteten so ihr Leben.

Im Krieg, „den es bis zum Ende geben wird“ (Dan 9,26; Mk 13,7; Offb 19,19), entscheiden nicht Waffen oder Geld, sondern die bessere Strategie und Kampfmoral über den Sieg (vgl. 1.Sam 14,15; Ps 18,30; 20,8; 33,16f.f.; 76,4ff.; 147,10f.; 2.Chr 20,15). Die Taliban-Mullahs predigten ihren Kämpfern, es gelte, ihre Heimat von ausländischen Besatzern zu befreien und die Scharia wieder einzuführen. Nach dem Islam würden sie entweder als Sieger und Herren zu ihren Frauen zurückkehren oder sterbend in Allahs Paradiesglück eingehen. Für die westlichen Werte, deren Vertreter aus Angst ihr Leben zu retten suchten, wollte sich kaum ein Afghane opfern. Diese geistig-religiöse Dimension des Konflikts wurde von den NATO-Politikern völlig verkannt; selbst erfahrene Diplomaten und Geheimdienste wurden vom raschen Sieg der Islamisten überrascht.

Das christliche Abendland kann der islamistischen Herausforderung nur standhalten, wenn es sich auf seine Wurzeln zurückbesinnt. Jesus opferte gewaltlos sein Leben, um Gottes Sünde und Tod überwindende Liebe aller Welt zu offenbaren, und die christlichen Märtyrer sind ihm auf diesem Glaubensweg gefolgt. Auch christlich geprägte Staaten müssen nach der biblischen Zwei-Reiche-Lehre Polizei und Armee mit Waffen ausrüsten, um Recht und Freiheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu verteidigen. Christen können aus Nächstenliebe an diesem wichtigen „Dienst Gottes“ (Röm 13,4) mitwirken, mit den Waffen des Geistes (2.Kor 10,3ff.; Eph 6,10ff.) und zur Not mit Gewalt. Wir sollten jedoch „Kriege mit Vernunft führen“ (Spr 20,18; Koh 9,18) und nicht meinen, auf diese Weise fernen, fremden Ländern anderer Kultur und Religion helfen zu können. Vielmehr gilt es, gerade angesichts großer Gefahren „besonnen und nüchtern“ (1.Petr 4,7) zu bleiben, auf den HERRN zu hoffen, „der den Kriegen steuert in aller Welt“ (Ps 46,10; vgl. Jer 21,2ff.; Sach 4,6) und auf das Reich des Friedens Gottes zu warten, das mit Christi Wiederkunft kommt. (Röm 14,17; 16,20; Phil 4,7)
von Pfarrer Winfrid Krause, Buggingen