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500 Jahre Reformation

Als Martin Luther am Vorabend von Allerheiligen, am 31.Oktober 1517 durch den Pedell der Universität Wittenberg seine 95 Thesen „zur Erklärung der Kraft der Ablässe“ an die Tür der dortigen Schloßkirche anschlug, konnte er nicht ahnen, daß er damit eine bis heute nicht nur die Kirche, sondern auch die Welt prägende Reformation anstieß. Weil die römische Kurie auf den Ablaß für Sündenstrafen im Fegefeuer als Einnahmequelle nicht verzichten wollte, machte sie Luther den Prozeß. Und da dieser weder bei seinem Verhör durch Kardinal Cajetan 1518 in Augsburg noch vor Kaiser und Reich 1521 in Worms widerrufen wollte, wurde er in Acht und Bann geworfen und aus der Kirche ausgeschlossen. Weil aber nicht nur die theologische Fakultät in Wittenberg und sein Landesherr Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, sondern auch viele gelehrte Humanisten, Adelige und Geistliche in Deutschland zu ihm hielten, kam es zur Kirchenspaltung und Gründung der evangelischen Landeskirchen, die bei Luthers Tod 1546 halb Deutschland und Europa umfaßten – seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 auch die Wild- und Rheingrafschaft an der Nahe mit dem Amt Wildenburg und den dazugehörigen Hunsrückdörfern Kempfeld, Schauren, Bruchweiler und Sensweiler und die Grafen von Sponheim und Pfalzgrafen mit dem Amt Birkenfeld und den dazugehörigen Dörfern Allenbach und Wirschweiler.

Der Doktor der Hl.Schrift und Bibelprofessor Martin Luther hatte erkannt, daß der Mensch vor Gott nicht gerecht wird durch die Werke des Gesetzes und fromme Übungen wie Gebete, Fasten, Ablässe, Almosen, Wallfahrten, Stiftungen, sondern allein durch die Gnade Gottes, die in Jesus Christus, seinem Kreuz und seiner Auferstehung, offenbar geworden ist. Für das ewige Heil kommt es nur darauf an, daß wir an das Evangelium von Jesus Christus glauben! Am Anfang der Reformation stand eine große Befreiung von unnötigen Gesetzen und Werken, Skrupeln und Ängsten. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“, formulierte Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520). Der Ertrag der Reformation läßt sich deshalb in dem vierfachen „allein“ zusammenfassen: „allein die Hl.Schrift, allein Jesus Christus, allein die Gnade, allein der Glaube!“

Diese Rückkehr zum biblischen Christentum hatte wichtige Veränderungen der Kirche zur Folge:

- Einführung des deutschen Gottesdienstes und verständlicher Predigt: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Röm 10,17)

- Reduktion der 7 Sakramente auf die zwei von Jesus selbst eingesetzten Zeichen seiner Gnade: Taufe und Abendmahl (Mt 28,18ff.; Mk 14,22ff.).

- Abschaffung der besonderen Würde von Priestern, Mönchen, Nonnen, Bischöfen und Papst durch das „allgemeine Pristertum der Gläubigen“; alle Christen sind durch dieselbe Gnade vor Gott gleich: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau, sondern ihr sei allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28) Oder wie Luther an den christlichen Adel deutscher Nation schreibt: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof, Papst geweiht sei.“

- Die nicht mehr hierarchische, sondern demokratische Kirchenleitung durch von den getauften und konfirmierten Gläubigen gewählte PresbyterInnen, PfarrerInnen, Synoden, SuperintendentInnen, Präsides: „Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist; es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr; und es sind verschiedene Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“ (1.Kor 12,4ff.) Allerdings muß das biblische Wort Gottes den oft zeitgeistabhängigen Mehrheitsentscheidungen von Menschen vorgeordnet bleiben.

- Rehabilitierung der ganz normalen, weltlichen Berufsarbeit als Gottesdienst der Nächstenliebe: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ (Röm 12,1)

- Wegfall von Sterbemessen, Ablässen, Wallfahrten und Stiftungen zum Erwerb der ewigen Seligkeit: „Die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“ (Röm 6,23)

Martin Luther war wahrscheinlich der größte Bibeltheologe der ganzen Kirchengeschichte. Durch seine biblischen Schriften, Vorlesungen und Predigten und besonders seine bis heute unerreichte Übersetzung der Hl.Schrift aus dem Hebräischen und Griechischen ins Deutsche hat er den christlichen Glauben ganzen Generationen von Christen nahegebracht. In diesem Sinne schreibt der Reformator in seiner Vorrede auf den Römerbrief: „Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal darüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen, welches der Heilige Geist tut im Glauben.“

Pfarrer Winfrid Krause, Malborn