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Trinitatis


Die zweite Hälfte des Kirchenjahres gilt gewöhnlich als ereignislose Zeit, doch gibt der Glaube an den dreieinig-dreifaltigen Gott gerade dem Neuprotestantismus Unerschöpfliches zu denken. Hier einige Erinnerungen an fast Vergessenes und einige neue Anregungen im Anschluß an den diesjährigen Trinitatistext Röm 11,33-36:

Es handelt sich um einen komplexen, aus 3x3 Satzteilen bestehenden, atl.-jüdische und griech.-stoische Traditionen aufnehmenden, schon formal hochtrinitarischen Hymnus des Apostels, der m.E. nicht nur Röm 9-11 (Israel?), sondern auch Röm 1-11 (das Evangelium von Jesus Christus), also den ganzen ersten dogmatischen Hauptteil des Briefes abschließt, bevor die Paränesen (Röm 12-15) folgen. Durch die dreifache Offenbarung des dreieinigen Gottes in Schöpfung (Röm 1,19f.), Israel (Röm 9,4f.) und Jesus Christus umgreift sein ewiges Wort die drei Zeiten (V.36: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) und gilt „allen" Dingen, Menschen und Völkern.

Der Glaube an die Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit Gottes ist schon im NT greifbar (Mt 28,18; Lk 11,13; Joh 14,26; 15,26; 1.Kor 8,6; 2.Kor 13,13; Eph 3,14 u.ö.) und mit der Ansage des Messias als Davids und Gottes Sohn und der Verheißung des Hl.Geistes bereits im AT angelegt. Er ist keineswegs ein späteres kirchlich-hellenistisches Dogma, sondern mit dem Glauben an die Person Jesu, des Mensch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Sohnes Gottes gegeben und wird die „aufgeklärte" Kritik der „Neuzeit" weit überleben. Schon sprachlich ist die menschliche Familie das wichtigste, biblische Gleichnis: „Abba-Vater" (Dtn 32,6; Mt 6,9; Mk 14,36; Joh 3,35; Röm 8,15 - oder „Mutter" Jes 66,13), „Sohn" (Ps 2,7; Jes 9,5; Mk 1,11; Joh 1,14.18 = Jesus). Der Hl.Geist ist in der Bibel primär eine göttliche Kraft und erst sekundär anthropologisch-religiöse Kategorie (Gen 1,2; Ps 51,13; Jes 31,3; Mt 12,28; Mk 13,11; Joh 4,24 - kein Kind trotz der Weisheit Spr 8,22ff., sondern im NT eine sprechend-handelnde Person).

Die ausführlichste Beschäftigung mit der tri-unitas Gottes verdanken wir nach wie vor dem Kirchenvater Augustin in seinem weniger spekulativen als biblisch orientierten Werk „de trinitate". Seine Gleichnisse und Ternare dort sind folgende:
- amans - amatur - amor = der liebende (Vater), der geliebte (Sohn), die Liebe (Hl.Geist als
vinculum caritatis - de trin. VIII,10 ff.)
- mens - notitia - amor = Geist, Selbsterkenntnis, Liebe (de trin. IX,1-X,16)
- memoria - intelligentia - voluntas = Gedächtnis, Erkenntnis, Wollen (de trin. X,17-XV,51)
Der (neu)platonisch beeinflußte Augustin blieb hierbei, durch den Hl.Geist im menschlichen Geist (Röm 8,16) angeregt, m.E. zu sehr auf die Innerlichkeit des Menschen fixiert, in der es in der Tat eine Dreieinigkeit der Seelenkräfte einer Person gibt (vgl. Dtn 6,5; Mk 12,30). Besser ist m.E. seine an die drei Aggregatzustände von Licht und Wasser erinnernde sprachliche Differenzierung von Liebe, Liebende/r und Geliebte/r.

Luther folgt den johanneischen Hinweisen und hält sich mehr an Joh 1,1-18 als 1.Joh 4,8.16, indem er vom Wort Gottes in seiner Offenbarung ausgeht und in Gottes Wesen drei Personen unterscheidet: „der da spricht" (Vater), „das Wort, so gesprochen wird" (Sohn), und „der Hörer (Hl.Geist) beides: Sprechen, Gesprochenes, Zuhören" oder „Sprecher, Wort, Hörer" innerhalb der Gottheit als „Gespräch Gottes in sich selber", vor und in der Offenbarung des HERRN in der Geschichte. (WA 45,89ff.94ff.; 46,59ff.544ff.)

Weil wir nur in menschlichen Worten von Gott reden können, hinkt jedes Gleichnis. Gott ist unvorstellbar größer ist als unser Verstand. Aber er ist nicht gänzlich verborgen geblieben, sondern hat sich in der Schöpfung, an Israel und dann für alle Völker in Jesus Christus offenbart, so daß wir ihn erkennen und anbeten können - wenn sein Geist, der „vom Vater und vom Sohn ausgeht" und „lebendig macht", durch Wort und Glauben „in uns wohnt" (Joh 5,38; 6,63; Röm 8,11). Diese „Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes", der in sich als ewige personale Gemeinschaft der Liebe lebt, ist m.E. dem einsamen Gott des Judentums und Islams vorzuziehen. Die christliche Trinitätslehre verdankt sich nicht der abstrakt-mathematischen Zahl 1 oder vernünftig-philosophischer Reduktion auf ein Urprinzip, sondern der konkreten Offenbarung Gottes in der Geschichte: „Gott wird nur durch Gott erkannt." (Anselm, K.Barth)

Pfarrer Winfrid Krause